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Agenda21        Nachhaltiger Städtebau        Erneuerbare Energien

 

 

 

 

 

 

 

 

Solare Bau- und Stadtplanung

 

12 Maßnahmen, um die historische Chance für nachhaltige Stadtentwicklung zu nutzen:

 

 

 

 

Europäische Charta für Solarenergie in Architektur und Städtebau

 

Die vorliegende Charta wurde von der 4. Europäischen Konferenz ,,Solarenergie in Architek­tur und Städteplanung“ verabschiedet, die vom 26. - 29. März 1996 im Berliner Haus der Kulturen der Welt stattfand. General Chairman dieser Konferenz war der damalige Bundes­bauminister Prof. Dr. Klaus Töpfer, Co-Chairman EUROSOLAR-Präsident Dr. Hermann Scheer, Architectural Chairman war Prof. Dr. Thomas Herzog, der zusammen mit den unterzeich­nenden Architekten diese Charta erarbeitet hat.

 

Präambel

Rund die Hälfte der in Europa verbrauchten Energie dient dem Betrieb von Gebäuden, hinzu kommt der für den Verkehr aufgewendete Anteil in Höhe von über 25 %. Für die Bereitstellung dieser Energie werden in großem Umfang nicht wiederbringbare fossile Brennstoffe verbraucht, die künftigen Generationen fehlen werden. Zu ihrer Erzeugung sind Umwand­lungsprozesse erforderlich, deren Emissionen sich nachhaltig negativ auf die Umwelt aus­wirken. Zudem verursachen rücksichtslose lntensivbewirtschaftung und zerstörerische Roh­stoffausbeute sowie ein weltweiter Rückgang der Agrarflächen eine zunehmende Verringerung der natürlichen Lebensräume.

Diese Situation erfordert ein rasches und grundlegendes Umdenken, besonders für die am Bauprozeß beteiligten Planer und Institutionen. Ein verantwortlicher Umgang mit der Na­tur und die Nutzung des unerschöpflichen Energiepotentials der Sonne müssen Grundvor­aussetzung für die Gestaltung unserer gebauten Umwelt werden. In diesem Zusammenhang ist die Rolle der Architekten als verantwortlicher Berufsgruppe von weitreichender Bedeu­tung. Sie muß erheblich mehr als bisher entscheidenden Einfluß auf die Konzeption und Disposition von Stadtstrukturen, Gebäuden, die Verwendung der Materialien und System-komponenten und damit auch auf den Energieverbrauch nehmen.

Das Ziel künftiger Arbeit muß deshalb sein, urbane Räume und Gebäude so zu gestalten, daß sowohl Ressourcen geschont als auch Erneuerbare Energien     - speziell Solarenergie - möglichst umfassend genutzt werden, wodurch die Fortsetzung der genannten Fehlentwick­lungen vermieden werden kann.

Zur Durchführung dieser Forderungen sind die derzeit bestehenden Ausbildungsgänge, Energieversorgungssysteme, Finanzierungs- und Verteilungsmodelle, Normen und Gesetze den neuen Zielsetzungen anzupassen.

Die Planer

Architekten und Ingenieure müssen ihre Projekte entwerfen in Kenntnis lokaler Gegebenheiten, vorhandener Ressourcen und der maßgeblichen Bedingungen für die Nutzung von Erneuerbaren Energien und Materialien. Ihre gesellschaftliche Rolle muß angesichts dieser zu übernehmenden Verantwortung gestärkt werden - gegenüber nicht unabhängigen Pla­nungsbüros und Unternehmen. Neue Gestaltungskonzepte sind zu entwickeln, die das Be­wußtsein fördern, daß die Sonne Licht- und Wärmequelle ist; dies ist deshalb nötig, weil eine breite öffentliche Akzeptanz solaren Bauens nur mit überzeugenden, visuell vermittel­ten Ideen und konkreten Beispielen zu erreichen ist.

Dies bedeutet:

·        Städte, Gebäude und ihre verschiedenen Elemente müssen als komplexes System von Stoff- und Energieflüssen interpretiert werden.

·        Der Einsatz von umweltfreundlichen Energien muß aus ganzheitlicher Sicht geplant werden. Professionelle Kenntnis aller funktionalen, technischen und gestalterischen Zusammenhänge, Bedingungen und Möglichkeiten ist Voraussetzung für das Entste­hen von zeitgemäßer Architektur.

·        Das umfangreiche, sich ständig erweiternde Wissen über die Bedingungen des Ge­bäudeklimas, über die technologische Entwicklung der Solartechnik, über die Mög­lichkeiten der Simulation, Berechnung und Messung muß in übersichtlicher, verständ­licher und erweiterbarer Form systematisch dargestellt und verfügbar gemacht werden.

·        Schulung und Weiterbildung von Architekten und Ingenieuren müssen in aufeinan­der abgestimmten Systemen auf unterschiedlichem Niveau unter Einsatz neuer Me­dien bedarfsbezogen erfolgen. Hochschulen und Berufsverbände sind aufgefordert, entsprechende Angebote zu entwickeln.

 

 

Der Bauplatz

Die spezifische lokale Situation, die vorhandene Vegetation und Bausubstanz, die klimati­schen und topographischen Gegebenheiten, das Angebot an Erneuerbaren Energien, bezo­gen auf den Zeitraum und die Intensität ihres Wirkens, sowie die örtlich gegebenen Ein­schränkungen müssen als Grundlage der Planung in jedem Einzelfall analysiert und bewertet werden.

Die vor Ort verfügbaren natürlichen Ressourcen, insbesondere Sonne, Wind und Erdwärme, sind bei der bioklimatischen Gestaltung von Gebäuden nutzbar zu machen und sollten sich in Planung und Form der Gebäude widerspiegeln. Die unterschiedlichen vorhandenen oder entstehenden Bebauungsmuster stehen je nach geographischer Lage, physischer Form und materieller Beschaffenheit sowie je nach Nutzungsart in Wechselwirkung mit unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten wie:

·   Klimadaten (Sonnenstand, jahreszeitliche und regionale Schwankungen der Sonnenscheindauer, Lufttemperaturen, Windrichtungen, Windstärken, Zeiträume des Windanfalls, Niederschlagsmengen)

·        Exposition und Ausrichtung von Freiräumen und von Geländeoberflächen (Neigung, Form, Relief, Proportion und Maß)

·        Lage, Geometrie, Dimension und Masse umgebender Gebäude, Geländeformation, Gewässer und Vegetation (wechselnde Verschattung, Reflexion, Volumen, Emissio­nen)

·        thermische Speicherungsfähigkeit vorhandener Bodenmassen

 ·    Bewegungsabläufe von Menschen und Maschinen

·        vorhandene Baukultur und architektonisches Erbe

 

Baumaterialien und Gebäudeformen

Gebäude und sie umgebende Freiräume sind so zu gestalten, daß für ihre Beleuchtung, die Gewinnung von Wärme für Heizung und Brauchwasser, für Kühlung, Lüftung und für die Gewinnung von Strom aus Sonnenstrahlung möglichst wenig Energie aufgewendet werden muß. Für den verbleibenden Bedarf sind solche Lösungen einzusetzen, die nach den Kriterien einer Gesamtenergiebilanz dem neuesten Stand der Technik zur Nutzung von Erneuerba­ren Energien entsprechen. Bei der Verwendung von Materialien, Konstruktionen, Produkti­onstechnologien, Transport, Montage und Demontage von Bauteilen müssen daher auch Energieinhalte und Stoffkreisläufe berücksichtigt werden.

·        Nachwachsende, ausreichend verfügbare Rohstoffe und Bauformen mit möglichst geringem Aufwand an Primärenergie und ,,grauer Energie" sind zu bevorzugen.

·        Die Einbindung von Materialien in Stoffkreisläufe, Wiederverwertungsmöglichkeit oder umweltverträgliche Entsorgungsfähigkeit müssen sichergestellt sein.

·        Konstruktion von Tragwerk und Gebäudehüllen müssen dauerhaft sein, um den Aufwand an Material, Arbeit und Energie effizient und den Entsorgungsaufwand gering zu halten. Das Verhältnis von ,,verbauter" Energie zur Lebensdauer ist zu optimieren. Bauteile zur direkten und indirekten (passiven und aktiven) Nutzung von Solarenergie, die sich nach konstruktiven und gestalterischen, modularen und dimensionalen Anforderungen zur baulichen Integration gut eignen, sind weiterzuentwickeln und bevorzugt einzusetzen.

·        Neue Systeme und Produkte im Bereich der Energie- und Gebäudetechnik müssen auf einfache Weise integriert bzw. gegen bestehende ausgetauscht oder erneuert werden können.

 

 

Gebäude im Gebrauch

Gebäude müssen energetisch als Gesamtsysteme verstanden werden, die Erneuerbare Energien bestmöglich und je nach Bedürfnissen nutzen. Sie sind als langlebige Systeme zu ent­wickeln, die auf Dauer geeignet bleiben, wechselnde Nutzungsarten aufzunehmen.

·       Funktionen sollen im Grundriß und Schnitt so geordnet sein, daß Temperaturstufen und thermische Zonierung berücksichtigt sind.

·       Planung und Ausführung von Gebäudestruktur und Materialwahl müssen so flexibel konzipiert werden, daß spätere Nutzungsänderungen mit geringstmöglichem Material- und Energieeinsatz durchgeführt werden können.

Die Gebäudehülle muß in ihrer Durchlässigkeit für Licht, Wärme, Luft und Sicht veränderbar und gezielt steuerbar sein, damit sie auf die wechselnden Gegebenheiten des lokalen Klimas reagieren kann (Sonnen- und Blendschutz, Lichtumlenkung, Verschattungen, temporärer Wärmeschutz, variable, natürliche Lüftung).

Ansprüche an den Komfort sollen weitgehend durch die Gestaltung des Gebäudes mittels direkt wirksamer, passiver Maßnahmen erfüllt werden können. Den noch verbleibenden Bedarf für Heizung, Kühlung, Strom, Belüftung und Beleuchtung sollen Erneuerbare Energien nutzende aktive Systeme decken.

Der Aufwand an Technik und Energie muß der jeweiligen Funktion der Gebäude angemessen sein. Entsprechende Anforderungsprofile der unterschiedlichen Nutzungskategorien sind zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen. So sind auch Gebäude spezieller Art wie Museen, Bibliotheken, Kliniken u.a. gesondert zu betrachten, da hier spezifische gebäudekilmatische Anforderungen bestehen.

 

 

Die Stadt

Erneuerbare Energien bieten die Chance, das Leben in Städten attraktiver zu gestalten. Für die Infrastruktur der Energieversorgung und des Verkehrs sowie durch die Art der Bebauung ist der Einsatz Erneuerbarer Energien zu maximieren. Soweit möglich und sinnvoll, ist bestehende Bausubstanz zu nutzen. Die Verbrennung fossiler Rohstoffe ist drastisch zu reduzieren.

Das Verhältnis von Stadt und Natur ist symbiotisch zu entwickeln. Eingriffe und Veränderungen, die im öffentlichen Raum und an bestehenden Bauten oder durch Neubauten erfolgen, müssen auf die historische und kulturelle Identität des Ortes ebenso bezogen sein wie auf die geographischen und klimatischen Bedingungen der Landschaft.

Die Stadt muß als langlebiger Gesamtorganismus verstanden werden. Der ständige Wandel in Gebrauch, Technologie und Erscheinungsbild muß möglichst zerstörungsfrei und ressourcenschonend gesteuert werden.

Städte sind verbaute Ressourcen und haben einen hohen Primärenergieinhalt. Ihre einzelnen Stadtteile, Bauten und Freiräume, ihre Infrastrukturen, Funktions- und Verkehrsabläufe sind durch laufenden, den natürlichen Erneuerungszyklen folgenden Umbau immer besser in den Gesamthaushalt der Natur einzupassen.

Für die Gestalt der von Menschen geschaffenen Landschafts- und Stadtstrukturen müssen als Umwelt- und als bioklimatische Faktoren bestimmend sein:

·        Ausrichtung zur Sonne (Orientierung von Straßen, Gebäudestruktur, Temperaturregelung und Tageslichtnutzung im öffentlichen Raum)

·        Topographie (Geländeform, Gesamtexposition, allgemeine Lage)

·        Windrichtung und -intensität (Ausrichtung der Straßen, geschützte öffentliche Räume, gezielte Durchlüftung, Kaltluftschneisen)

·        Vegetation und Verteilung von Grünflächen (Versorgung mit Sauerstoff, Staubbindung, Temperaturhaushalt, Verschattung, Windbarrieren)

·        Hydrogeologie (Bezug zu Wassersystemen)

Städtische Funktionen wie Wohnen, Produktion, Dienstleistungen, Kultur und Freizeit sollen dort, wo dies möglich und sozial verträglich ist, einander zugeordnet werden. So kann der Kraftfahrzeugverkehr reduziert werden. Produktions- und Dienstleistungseinrichtungen können in gegenseitiger Ergänzung intensiver und wirtschaftlicher genutzt werden.

Fahrzeuge, die nicht durch fossile Brennstoffe angetrieben sind, und Fußgänger müssen in den einzelnen Stadtteilen privilegiert behandelt werden. Öffentliche Verkehrsmittel sind zu fördern. Der Stellplatzbedarf ist zu reduzieren, der Treibstoffbedarf zu minimieren.

Ein haushälterischer Umgang mit Bauland wird durch eine sinnvolle Dichte bei Neuplanungen und durch Nachverdichtungen erreicht und kann dazu beitragen, die Aufwendungen für Infrastruktur und Verkehr sowie den Landverbrauch zu reduzieren. Ökologische Ausgleichsmaßnahmen sind vorzusehen.

In städtischen Räumen sind solche Mittel einzusetzen, die der Verbesserung des Stadtklimas, der Temperatursteuerung, dem Windschutz und der gezielten Erwärmung bzw. Kühlung dieser Räume dienen.

 

aus „Erneuerung von Gemeinden und Regionen durch Erneuerbare Energien“

Leitfaden für kommunal- und landespolitische Initiativen zur Einführung Erneuerbarer Energien

Herausgeber: Pontenagel, Irm

Europäische Sonnenenergie-Vereinigung EUROSOLAR e.V.  / Sektion Deutschland

EUROSOLAR Verlag, Bochum 1998

 

 

 

 

 

 URBAN21 /

(Der nachfolgende Text enstammt weitestgehend der website http://www.urban21.de/index.html)

 

Berliner Erklärung zur Zukunft der Städte

6. Juli 2000  
 

Wir, Bürger und Repräsentanten aus 1000 Städten und Vertreter von Regierungen, Organisationen der Zivilgesellschaft aus über 100 Ländern der Welt, kamen vom 4. - 6. Juli 2000 in Berlin zur Weltkonferenz über die Zukunft der Städte URBAN 21 zusammen. Wir übergeben der Öffentlichkeit diese Erklärung - gleichzeitig als Beitrag zur Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen (Istanbul+5).

Wir gingen von folgender Wirklichkeit aus:

 
  • Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wird die Mehrheit der sechs Milliarden Menschen dieser Welt in Städten leben.
  • Die Welt erlebt eine Bevölkerungsexplosion in den Städten, vor allem jenen in den Entwicklungsländern.
  • In vielen Ländern verschlechtern sich die sozialen Bedingungen. Gesundheit und Wohlergehen von Bewohnern der Städte wird durch HIV-Epidemie und wieder auftretende Infektionskrankheiten bedroht.
  • Die Armut in den Städten, von der vor allem Frauen und Kinder betroffen sind, nimmt ständig zu, wobei jeder vierte Bürger der Welt unterhalb der Armutsgrenze lebt.
  • Wir leben in einer Welt, die von einer großen Vielfalt geprägt ist, in der es keine einfachen Antworten und keine eindimensionalen Lösung für die Probleme und die Herausforderungen gibt, mit denen unsere Städte konfrontiert sind.
  • Viele Städte, die mit Hyperwachstum zu kämpfen haben, sind nicht in der Lage, die Herausforderungen vor denen sie stehen zu bewältigen und Arbeit zu schaffen, ausreichenden Wohnraum bereitzustellen und Grundbedürfnisse ihrer Bürger zu befriedigen.
  • Einigen besonders dynamischen Städten ist es gelungen, Entwicklung mit Gerechtigkeit zu verbinden und die Armut zu verringern, das Analphabetentum zu überwinden, den Bildungstand der Frauen zu verbessern, ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken und die Geburtenraten zu senken.
  • Andere Städte überaltern, verfallen, Ressourcen werden nicht nachhaltig genutzt. Sie müssen sich anpassen und verändern.
  • Keine Stadt der Welt ist frei von Problemen, insbesondere die Herausforderungen einer echten Nachhaltigkeit sind nicht bewältigt.
 
Folgende Entwicklungstendenzen haben wir in vollem Bewusstsein ihrer positiven und negativen Konsequenzen berücksichtigt:
 
  • Die Globalisierung und die Revolution der Informationstechnologie werden eine Welt entstehen lassen, in der staatliche Grenzen zunehmend an Bedeutung verlieren und Städte neuen Aufgaben gerecht werden müssen.
  • Wissen wird zunehmend zur Grundlage von Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Die Welt wandelt sich in eine Gemeinschaft von Nationalstaaten und gleichzeitig in eine Galaxie miteinander verbundener Städte.
  • Macht und Zuständigkeiten werden gleichmäßiger zwischen Zentralregierungen, Regionen und Städten aufgeteilt.
  • Die Steuerung der Städte wird zunehmend demokratischer.
  • Die Rechte der Frauen, die Unteilbarkeit der Menschenrechte und die Bürgerbeteiligung, sowie verantwortliches Handeln gegenüber der Umwelt, finden immer mehr Beachtung.
  • Zwischen der öffentlichen Hand, der Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft entstehen neue Partnerschaften.
 
Wir bekräftigen folgende Prinzipien:
 
  • das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung
  • das Prinzip der Freiheit von Diskriminierung und der Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Das Prinzip kultureller und religiöser Toleranz
  • das Prinzip einer verantwortungsbewussten Steuerung der Kommunen
  • das Prinzip der Subsidiarität
  • das Prinzip der Interdependenz
  • das Prinzip der menschlichen Solidarität
 

Wir sind auch davon überzeugt, dass allen Menschen - bei Unterschieden in Intensität und Priorität - unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht, bestimmte Wünsche und Erwartungen gemeinsam sind und von den Städte erfüllt werden sollten:

 
  • Freiheit von Armut,
  • Erfüllung in der Arbeit bei angemessenem Lohn,
  • ein Leben in Einklang mit der Natur,
  • Zugang zu reiner Luft, sauberem Wasser und einer angemessenen sanitären Ausstattung,
  • angemessenes und sicheres Wohnen,
  • gute Verkehrsverbindungen von der Wohnung zu Arbeitsstätten, zu Einkaufsmöglichkeiten, zu Schulen und anderen Orten,
  • ein Leben in unterstützenden Gemeinschaften von Freunden und Nachbarn,
  • ausgestattet mit den politischen Rechten eines Bürgers, einschließlich von Beteiligungsrechten bei politischen Entscheidungen und des Rechts auf Information und Rechtsstaatlichkeit
  • persönliche Sicherheit und Schutz des Eigentums
 
Wir empfehlen daher, dass vordringlich folgende Maßnahmen ergriffen werden:
 
  • Die Städte und anderen Gebietskörperschaften sollten effektive Stadtpolitiken und Planungsprozesse verfolgen und darin soziale, wirtschaftliche, ökologische und räumliche Gesichtspunkte einbeziehen, wobei sie auch die Verflechtung zwischen Städten und Regionen, sowie zwischen städtischen, ländlichen und Naturgebieten berücksichtigen.
  • Die Städte sollten dafür kämpfen, die Armut zu verringern und die Grundbedürfnisse der Bürger zu erfüllen, indem sie ihre wirtschaftliche Entfaltung fördern und Raum geben für gemeinschaftliche Aktionen.
  • Die Städte sollten Politiken starten, die geeignet sind Gewalt und Verbrechen zu verringern.
  • Städte sollten die Chancen der Informations- und Kommunikationstechnologie nutzen und allen Bürgern die Möglichkeiten des lebenslangen Lernens eröffnen, sich zu lernenden Städten entwickeln, um eine globale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.
  • Städte sollten den Einsatz umweltfreundlicher Technologien und Materialien fördern, einschließlich erneuerbarer Energien und eines höheren Wirkungsgrades bei der Nutzung natürlicher Ressourcen.
  • Städte sollten die Förderung der lokalen Wirtschaftsentwicklung und dabei die Rolle der informellen Wirtschaft anerkennen und sie in die formelle Wirtschaft integrieren.
  • Städte sollten zusammen mit anderen Verwaltungsebenen Anreize, Regelungen und Benchmarks schaffen, um die Privatwirtschaft anzuregen, global zu denken, lokal zu handeln und dabei die Armen ohne Diskriminierung einzubeziehen.
  • Wo immer möglich, sollten Städte informelle Siedlungen akzeptieren und in die bestehende Stadtstruktur und das soziale Leben integrieren.
  • Städte sollten ihr historisches Erbe bewahren und sich bemühen Orte der Schönheit zu werden, wo Kunst, Kultur, Architektur und Landschaft den Bürgern Freude und Inspiration bringen.
  • Städte sollten die Flächennutzung angemessen planen und implementieren, mit dem Ziel, eine vitale Wirtschaft, funktionierende Bodenmärkte, bezahlbare Wohnungen und eine funktionsfähige Infrastruktur zu fördern.
  • Städte sollten ein gutes integriertes Nahverkehrssystem aufbauen, das schnell, sicher, leicht zugänglich und erschwinglich ist; ferner sollten sie die Nutzung des Autos besser steuern und die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel vorantreiben.
  • Städte sollten versuchen, ein Gleichgewicht zwischen der natürlichen Umwelt und der gebauten Umwelt herbeizuführen und Maßnahmen ergreifen, um die Verschmutzung von Wasser, Luft, Boden sowie Lärmbelastungen zu verringern und dadurch die Lebensqualität der Bürger erhöhen.
  • Städte sollten sich diskriminierungsfrei und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Demokratie und des verantwortungsbewussten Stadtmanagements selbst verwalten und ihre Beziehungen zu all ihren Bürgern entsprechend gestalten, wobei Frauen, Jugendliche und Minderheiten besonders angesprochen werden.
  • Städte sollten Foren, der bilateralen und multilateralen Partnerschaft zur Vernetzung ihrer Aktivitäten einrichten um sich gegenseitig zu unterstützen und best practice Beispiele schneller zu verbreiten.
  • Nichtstaatliche Organisationen und Bürgerorganisationen sollten die Möglichkeit erhalten, sich umfassend an der Förderung einer gerechten und nachhaltigen urbanen Entwicklung zu beteiligen.
  • Die Privatwirtschaft auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene sollte Finanzierungsinstrumente und Investitionen wirksam einsetzen, um dadurch die nachhaltige Stadtentwicklung zu fördern.
  • Die nationalen Regierungen sollten der Stadtentwicklungspolitik im Rahmen ihrer nationalen und regionalen Politik hohe Priorität einräumen.
  • Regierungen auf nationaler und regionaler Ebene sollten angemessene Kompetenzen und Finanzmittel auf die Städte übertragen, damit sie ihre Aufgaben wahrnehmen können.
  • Die Weltbank, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und das Zentrum der Vereinten Nationen für menschliches Siedlungswesen, andere internationale Organisationen und bilaterale Geber sollten ihre Zusammenarbeit mit den Städten, den nicht staatlichen Organisationen und Bürgergruppen auf dem Gebiet des Wohnungswesens, der Stadtentwicklung und der Armutsbekämpfung intensivieren.
 

Wir schließen die Erklärung in optimistischem Ton:

Wir treten ein in das Jahrtausend der Städte. Die Städte, seit jeher Motoren des wirtschaftlichen Wachstums und Keimzellen der Zivilisation, stehen heute vor riesigen Herausforderungen. Millionen von Männern, Frauen und Kindern müssen einen täglichen Kampf ums Überleben führen. Können wir das umkehren? Können wir unseren Bürgern Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen? Wir glauben: Wenn wir die positiven Kräfte der Bildung und der nachhaltigen Entwicklung, der Globalisierung und Informationstechnologie, der Demokratie und des verantwortungsbewussten Stadtmanagements, der stärkeren Rolle der Frauen sowie der Zivilgesellschaft nutzen, dann können wir auch wirklich Städte der Schönheit, Ökologie, Wirtschaft und der sozialen Gerechtigkeit schaffen.

Berlin, 4. - 6. Juli 2000

URBAN 21 ist einer der Kernpunkte der Globalen Initiative für nachhaltige Entwicklung, getragen von den Staaten Brasilien, Deutschland, Singapur und Südafrika.

URBAN 21 richtet sich an alle Fachleute, die sich mit der Entwicklung der Städte auseinandersetzen und für die Verbesserung der Lebensverhältnisse und Umweltbedingungen in den Städten eintreten.